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Die Entstehung von ‘Corporate Athletes’

30 Oktober 2019 / BGM

Es gibt eine Verbindung zwischen den Verhaltensweisen oder Gewohnheiten von Spitzensportlern und denen von erfolgreichen Führungskräften in Unternehmen. Und so entstand der Begriff „Corporate Athlete“ (etwa: beruflicher Höchstleister). Was können wir von den Gewohnheiten von Spitzensportlern lernen, um unseren Mitarbeitern zu Höchstleistungen zu verhelfen?

Was ist ein Corporate Athlete?

Das Konzept des Corporate Athlete wurde von Dr. Jim Loehr und Tony Schwartz entwickelt. Nachdem diese 25 Jahre lang mit Spitzensportlern gearbeitet hatten, erkannten sie, wie der disziplinierte Tagesablauf von Spitzensportlern in der Geschäftswelt eingesetzt werden kann, um nachhaltige Verbesserungen der Arbeitsleistung zu erzielen.

Aufgrund der sich ändernden Anforderungen in der Arbeitswelt erwartet man von Mitarbeitern in Unternehmen, dass sie stets verfügbar, länger online und jederzeit einsatzbereit sind. Und gleichzeitig müssen sie finanziellen und persönlichen Druck aushalten. Burnout und Stress bei Mitarbeitern werden für Unternehmen auf der ganzen Welt zunehmend zu einem wesentlichen Problem, da es den Mitarbeitern beinahe unmöglich erscheinen kann, die Ansprüche von Privatleben und Beruf unter einen Hut zu bringen.

Burnout tritt am Arbeitsplatz immer häufiger auf:

  • 67 % der Mitarbeiter geben an, sich durch die Arbeit ausgebrannt zu fühlen1
  • 75 bis 90 % der Arztbesuche stehen im Zusammenhang mit Stress2
  • 9 von 10 Personalexperten nennen schlechte Gesundheit, starken Stress und mangelnden Schlaf als Faktoren, die das Wohlbefinden der Mitarbeiter beeinflussen3
  • 37 % der britischen Unternehmen geben an, dass stressbedingte Fehlzeiten während des letzten Jahres zugenommen haben4

Die Untersuchungen von Dr. Jim Loehr und Tony Schwartz zeigen, dass Mitarbeiter, die einige der Qualitäten und die Disziplin von Berufssportlern übernehmen, besser dazu in der Lage sind, die anspruchsvollen Anforderungen von Beruf und Privatleben miteinander in Einklang zu bringen.

 

Was genau sind die Unterschiede zwischen einer Führungskraft und einem Spitzensportler?

Spitzensportler

  • Trainiert 90 % der Zeit/steht 10 % der Zeit im Wettbewerb
  • Ist äußerst diszipliniert, um sicherzustellen, dass er seinem Körper die richtigen Nährstoffe zukommen lässt, treibt regelmäßig Sport, hält strenge Schlafenszeiten ein und ergreift Maßnahmen, um die richtige Geisteshaltung zu erreichen
  • Nimmt normalerweise 4 bis 5 Monate im Jahr nicht an Wettkämpfen teil
  • Die durchschnittliche Karrieredauer beträgt 5 bis 10 Jahre

Führungskraft

  • Erbringt in 90 % der Zeit Leistung und verbringt < 10 % der Zeit mit Lernen und Entwicklung
  • Hat lange Arbeitstage in einer anspruchsvollen Position mit einem hohen Stressniveau
  • Geht normalerweise aufgrund fehlender Zeit Kompromisse bei Ruhe und Ernährung ein
  • Hat nur wenige Wochen im Jahr frei (wenn die Führungkraft den Urlaub tatsächlich nimmt), beantwortet im Urlaub aber möglicherweise dennoch E-Mails und Anrufe
  • Ist der Erwartung ausgesetzt, 40 bis 50 Jahre seines Lebens ohne größere Pause zu arbeiten

 

Wie können Unternehmen ihren Führungskräften die nötigen Tools und Fähigkeiten geben, um optimal zu arbeiten, einen Burnout zu vermeiden und eine gute Work-Life-Balance zu erhalten?

Der eine Faktor im Beruf, der sich nicht kontrollieren lässt, ist die Zeit. Mitarbeiter haben jede Woche nur eine bestimmte Anzahl von Stunden Zeit, um ihre Arbeit zu erledigen, persönlichen Verpflichtungen nachzukommen und sich um sich selbst zu kümmern. Was man kontrollieren kann, ist die Energie, die den Mitarbeitern für Ihre berufliche und private Leistungsfähigkeit zur Verfügung steht.

Um Wochen mit mehr als 40 Arbeitsstunden zu bewältigen, braucht man nicht nur körperliche Kraft, sondern auch emotionale, mentale und geistige Energie. Verbesserungen in diesen vier Bereichen helfen den Mitarbeitern dabei, auf dem optimalen Niveau eines Corporate Athlete zu agieren.

Körperliche Energie

Genau wie für Spitzensportler ist es für Mitarbeiter wichtig, auf ihre körperliche Gesundheit zu achten und Prioritäten zu setzen, um ihre Leistung zu optimieren. Dazu gehört es, gesunde Lebensmittel zu sich zu nehmen, regelmäßig Sport zu treiben, während des Tages regelmäßig Pausen einzulegen, um sich geistig zu entspannen, und jede Nacht ausreichend zu schlafen. All das hilft dabei, die körperliche Energie zu maximieren.

Emotionale Energie

Ob als Sportler oder als Führungskraft – jeder erlebt mitunter Rückschläge. Eine gesteigerte Resilienz (psychische Widerstandsfähigkeit) hilft dabei, solche Rückschläge zu verarbeiten.

Das Entwickeln einer positiveren Geisteshaltung trägt entscheidend dazu bei, die Resilienz zu verbessern. Strategien zum Aufbau einer positiven Geisteshaltung beinhalten unter anderem tägliche Übungen zur Dankbarkeit, die Entwicklung einer positiveren Ausdrucksweise, ungestörte Zeit mit seinen Lieben und die Wahrnehmung der eigenen Emotionen, bevor man auf Situationen reagiert.

Bei Menschen, die negative Emotionen zeigen, ist es wahrscheinlicher, dass sich Furcht, Angstgefühle, Ungeduld und Frustration manifestieren und auf andere Teammitglieder übertragen werden. Diese Emotionen können es Menschen auch schwerer machen, auf Veränderungen zu reagieren.

Geistige Energie

Damit ein Spitzensportler sein Ziel erreichen und der Beste oder Schnellste in seinem Sport werden kann, muss er dazu in der Lage sein, sich zu konzentrieren und mit Ablenkungen umzugehen, und er braucht beim Zeitmanagement außerordentliche Disziplin. Das gilt auch für die Arbeitswelt.

Wenn Mitarbeiter dazu fähig sind, mit Ablenkungen wie E-Mails, Telefonanrufen oder auch Kollegen umzugehen, können sie ihre Produktivität maximieren. Hilfreich dabei wären beispielsweise flexible Arbeitsmöglichkeiten, das Ermutigen zu mehreren Pausen während der Arbeitszeit, Ruheräume oder Entspannungsbereiche, Meditationsressourcen oder auch eine Arbeitskultur, die auf das Einhalten regelmäßiger Urlaubszeiten wert legt.

Eine weitere Strategie, die Spitzensportler nutzen, um ihre Ziele zu erreichen, besteht darin, den eigenen Erfolg zu visualisieren. Dabei ist es egal, ob es um eine Goldmedaille, einen persönlichen Rekord oder die Teilnahme an internationalen Wettbewerben geht – sobald man den Erfolg visualisiert, hat man größere Chancen, ihn auch zu erreichen. Das Gleiche gilt für Mitarbeiter: Wenn man sich das positive Ergebnis eines wichtigen Verkaufsgesprächs, eines schwierigen Gesprächs oder den Abschluss eines wichtigen Projekts bildlich vorstellen kann, dann steigen auch die Erfolgschancen.

Spirituelle Energie

Damit Menschen in ihren Handlungen erfolgreich und authentisch sein können, müssen sie das Gefühl haben, dass diese ihren persönlichen Wertvorstellungen und einem höheren Zweck gerecht werden. Wenn ein Sportler in seinem Sport erfolgreich sein möchte, muss er das Gefühl haben, dass das tägliche Training und die Opfer, die er bringt, einem höheren Zweck dienen, z. B. sein Land bei den Olympischen Spielen zu vertreten.

Damit Mitarbeiter am Arbeitsplatz wirklich motiviert sind, müssen sie das Gefühl haben, dass ihre Arbeit mit ihren persönlichen Werten übereinstimmt und einen Sinn hat. In den 1960er Jahren, als President John F. Kennedy das NASA-Hauptquartier besuchte, fragte er einen Hausmeister, welche Aufgabe er bei der NASA habe, und dieser antwortete: „Ich helfe, einen Mann auf den Mond zu bringen.“

Wenn ein Unternehmen über ein Leitbild verfügt, das die Mitarbeiter inspiriert und motiviert, können diese besser verstehen, inwiefern ihre Arbeit zum Gesamterfolg des Unternehmens beiträgt. Indem man regelmäßig Erfolgsgeschichten mit Kunden weitergibt oder kommuniziert, welche positive Wirkung das Unternehmen auf die Branche und/oder die Gemeinde hat, kann man die Mitarbeiter in ihrer Ansicht bestärken, dass ihre Arbeit einen Sinn ergibt.

Worten müssen Taten folgen, auch bei Führungskräften

Wenn Unternehmen ihre Führungskräfte dazu anregen können, wie ein Corporate Athlete zu denken, werden diese damit zum Vorbild für die übrige Belegschaft. Die Mitarbeiter erkennen dann anhand praktischer Beispiele, welche Vorteile ein gesünderer Lebensstil hat und wie er dazu beitragen kann, den Ansprüche von Beruf und Privatleben besser gerecht zu werden. Wer diese Fähigkeiten jetzt verfeinert, hat die besten Voraussetzungen für eine lange und erfolgreiche Karriere.

Weitere Informationen zu den Auswirkungen von Stress und Burnout bei Mitarbeitern finden Sie in unserem E-Book „Vier einfache Strategien gegen Burnout bei Mitarbeitern“. Um zu erfahren, wie Sie mit Stress am Arbeitsplatz umgehen können, laden Sie diese Kurzlektüre herunter.

  1. Gallup, Employee Burnout, Part 1: The 5 Main Causes, 2018.
  2. The American Institute of Stress, America’s #1 Health Problem, 2018.
  3. „State of the Industry: Engagement & Wellness in 2015.“ Virgin Pulse. 2015.
  4. CIPD, Health and Wellbeing at Work Survey – 201919.

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